2022
Die Installation simuliert mittels eines selbstentwickelten Mikrocontrollers und einer
maßgeschneiderten Platine den menschlichen Atemrhythmus über den Lebenszyklus
hinweg. Eine RGB-LED erzeugt Lichtimpulse, deren Frequenz und Intensität sich
lebensphasenspezifisch verändern: von schnellen, schwachen Pulsen (Neugeborene) über
langsamere, kräftigere im Erwachsenenalter bis zum periodischen Erlöschen im
Sterbeprozess. Ein Countdown visualisiert die verbleibende Lebenszeit, gefolgt
vom dauerhaften Erlöschen des Lichts als Symbol des Todes.
Die Steuerung erfolgt durch C/C++-Programmierung (Arduino) mit Registerzugriff und Timer-
Interrupts für präzise Zeit- und Lichtintervalle. Atemkurven werden aus CSV-Daten generiert,
in Arrays verarbeitet und mithilfe mathematischer Algorithmen (z. B. Interpolation) in
lebensphasenabhängige Muster übersetzt. Die Kombination aus Hardwaresteuerung,
Datenverarbeitung und künstlerischer Darstellung schafft eine atmosphärische
Visualisierung des Lebenszyklus.
2023
Ein interaktives Kunstprojekt, das den Herzschlag einer schwangeren Person und ihres
Fötus in Echtzeit simuliert. Basierend auf biologischen Prozessen und medizinischen
Daten visualisiert es die Verbindung zwischen beiden Leben – von der Befruchtung bis
zur Geburt.
Künstlerische Bedeutung
Die Arbeit macht die unsichtbare Entwicklung des fetalen Herzschlags als Symbol des
Werdens sichtbar. Durch die Echtzeit-Darstellung wird die Vergänglichkeit und Fragilität
des Lebens erfahrbar. Zufällige Ereignisse wie Fehlgeburten (statistisch modelliert) oder
Geburtstermine reflektieren die Balance zwischen Determiniertheit und Schicksal. Die
pulsierenden visuellen Felder schaffen eine meditative Atmosphäre, die zur
Auseinandersetzung mit Verbundenheit und der Essenz des Lebens einlädt.
Kernelemente
1. Herzschlag-Visualisierung:
Zwei pulsierende Felder symbolisieren die Herzschläge von Mutter und Fötus. Anfangs
schwach, entwickelt sich der fetale Impuls zu komplexen Mustern – analog zur
Herzentwicklung (einkammerig zu mehrkammerig). Frequenz und Intensität orientieren
sich an EKG-Daten, inklusive Schlafphasen, Wehen und physiologischen Veränderungen.
2. Dynamische Wechselwirkungen:
Die Simulation zeigt gegenseitige Beeinflussung: Der Fötus schläft, wenn die Mutter
wach ist; sein Wachstum verändert deren Kreislauf (Blutdruck, Herzfrequenz).
3. Echtzeit-Simulation:
Die Schwangerschaft läuft in realer Zeit ab (Wochen/Tage). Medizinische Daten fließen in
Parameter wie Fehlgeburtsrisiken oder Geburtstermine ein.
4. Wissenschaftliche Basis:
Schlafzyklen, Herzfrequenzveränderungen und Fehlgeburtsstatistiken sind empirisch
fundiert, jedoch künstlerisch interpretiert.
5. Interaktivität:
Nutzer:innen starten mit einer Schwangerschaftswoche; Zufallsalgorithmen generieren
individuelle Verläufe. Die hypnotische Ästhetik entsteht durch rhythmisches Blinken, das
Herzschläge als Helligkeitsänderungen übersetzt.
2024
Das Werk greift die Struktur eines klassischen Triptychons mit Predella auf – ein Bildformat,
das historisch eng mit sakraler Malerei verbunden ist.
Diese Anordnung erzeugt eine klare visuelle Hierarchie: Das zentrale Bild wird
von den beiden Seitenflügeln gerahmt und als primärer Bildraum hervorgehoben,
während die Predella eher einen Zustand der Reduktion, des Nachklangs oder der
Entzogenheit markiert.
Im Zentrum öffnet sich ein dramatischer, atmosphärisch aufgeladener Raum.
Ein aufgewühlter Himmel aus gebrochenen Ocker-, Grau- und kühlen Blauwerten bricht
auf und verleiht dem Raum eine sich nach oben öffnende Perspektive.
In dieser Szenerie befinden sich drei reduzierte, beinahe archaisch anmutende Figuren.
Ihre Körper sind minimalistische, abstrahierte, auf das Wesentliche reduzierte Formen.
Das einzige prägnante Detail ist jeweils ein leuchtendes, blaues „Auge“,
das zusammen mit der Haltung und Körpersprache Teil des Ausdrucks von Persönlichkeit ist.
Ihre Anordnung suggeriert Bewegung und Beziehung zugleich:
Sie stehen nicht isoliert, sondern scheinen in einem gemeinsamen Vektor zu
existieren – leicht gestaffelt, als würden sie sich vorwärts durch eine unbestimmte
Landschaft oder Situation bewegen. Dabei entsteht mit der Form in der Predella ein
Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, zwischen Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Die Blickpunkte – obwohl nicht eindeutig gerichtet – erzeugen eine Art stillen Dialog.
Die beiden seitlichen Tafeln verstärken die zentrale Szene durch ihre Dunkelheit.
Sie wirken wie visuelle Resonanzräume: verdichtete, fast monochrome Flächen,
in denen sich die Farbigkeit des Himmels nur noch als ferne Spur zeigt.
Sie schließen das Zentrum ein, ohne es zu spiegeln, und erzeugen so eine Art
kontemplativen Rahmen, der die Aufmerksamkeit zurück auf die Figuren lenkt.
Die Predella bildet einen radikalen Gegenpol. Hier ist die Form reduziert auf ein horizontales,
liegendes Element – eine Art Körper, Schwelle oder Rest. Ein gedämpftes,
warmes Leuchten zieht sich durch diese Zone, jedoch ohne die klare,
punktuelle Intensität des „Auges“ der Figuren im Hauptbild.
Diese Figur wirkt entzogen, passiv, fast entleert – wie ein Echo oder eine Erinnerung an Präsenz.
Im Kontext des Gesamtwerks erscheint sie als vierte Figur,
jedoch in einem anderen Zustand: nicht mehr auf Reise, sondern außerhalb der Bewegung.
Insgesamt entsteht eine Erzählung ohne festgelegten Ort oder festgelegte Zeit.
Die Bildsprache verbindet landschaftliche Andeutung mit existenzieller Symbolik.
Licht fungiert als Träger von Identität und Beziehung, während die Reduktion der
Körperformen den Fokus auf Haltung, Position und Spannung legt.
Die Atmosphäre ist zugleich episch und introspektiv – eine stille,
fast kosmische Szene des Unterwegsseins, in der Gemeinschaft, Differenz und Transformation
gleichberechtigt nebeneinander stehen.
2025
Das Werk Saturn mit Sonnenblumen ist inspiriert von den vielfältigen
okkulten und dualistischen Interpretationen des Saturns.
In der Mythologie und Esoterik erscheint Saturn oft als ambivalente Figur:
als Hüter der Schwelle, Gott des Wohlstands, aber auch als Symbol des Todes.
Diese Mehrdeutigkeit spiegelt sich in der Darstellung wider.
Die Figur trägt eine Laterne, die den Weg über die Schwelle weist – hin zur Erkenntnis,
zum Wohlstand, zum Tod oder zu etwas anderem, das der Betrachter selbst interpretieren kann.
Der Heiligenschein über dem Kopf der Figur stellt dabei die provokante Frage:
Trägt Saturn ihn zu Recht? Ist er ein Erlöser oder ein Verführer?
Die Lasurmalerei gibt dem Bildraum Tiefe, und die pastos gemalten Sonnenblumen
erweitern diesen Bildraum aus der Fläche heraus in unsere dreidimensionale Welt.
Durch diesen Gegensatz in der Maltechnik findet ein Hin- und Herwechseln der Betrachtungsweise statt.
Und dieser ständige Perspektivwechsel eröffnet die Arbeit auf eine neue und ungewohnte Art.
Mit Saturn wird die duale Darstellung dieses Symbols im Okkulten mit malerischen Mitteln untersucht.
Der Betrachter ist eingeladen, über die Ambivalenz des Dargestellten
und die Mittel der Darstellung zu reflektieren – und die Ungewissheit zu spüren,
welche Lesart des Saturns mit Sonnenblumen die richtige ist.
2024
Das Gemälde Motherboard verhandelt am Objekt einer humanoiden Figur die Ideen des Transhumanismus.
Es ist nicht neutral, es löst Unbehagen aus, doch soll es nicht als inhaltsleere Kritik um des
Kritisierens willen verstanden werden.
Durch das Aufladen mit ambivalenten Symbolen des Lebens, die sich jedoch auf Tod,
Abwesenheit und Teloslosigkeit beziehen, ermöglicht es einen radikalen, im Sinne von radikales,
an die Wurzel gehenden Zugang.
Warum die Atemmaske,
was würde sie eigentlich an ihrer Brust halten und was ist das im Bauchbereich,
sind mögliche Fragestellungen.
Es sind Fragen, die beim Durchdenken auch Fragen, die mit dem Transhumanismus unweigerlich verbunden sind,
aufwerfen. Es behauptet, dass der Transhumanismus Nietzsches Übermenschen falsch verstanden hat.
2023
Dieses Werk erkundet die Schnittstellen zwischen
Wissenschaft, Mythologie, Ästhetik und Humor. Die
Initialinspiration kam von historischen Experimenten, bei
denen abgetrennte Hundeköpfe am Leben erhalten oder
zweiköpfige Hunde durch Transplantation erschaffen wurden,
sowie von der biologischen Dimension des Transhumanismus.
Gleichzeitig greift das Werk kulturelle Symboliken auf – von
ägyptischen Göttern mit Tierköpfen über Playboy- und
Casino-Bunnies bis hin zu popkulturellen Nekomimis.
Der Hasenkopf, kombiniert mit einem weiblichen
menschlichen Körper, soll den Betrachter gleichermaßen
anziehen und irritieren. Zudem stellt er augenzwinkernd die
Frage: „Würdest du lieber einer Meerjungfrau begegnen, die
oben Fisch und unten Mensch ist, oder einer, die oben Mensch
und unten Fisch ist?“
Das Werk lässt sich auf zwei Arten lesen: Zum einen als
Auseinandersetzung mit Fragen zu Ethik, Wissenschaft und
Verlockungen, die den Betrachter tief in das Rabbithole
führen, zum anderen als humorvoller Kommentar, der zum
Lachen einlädt, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen.
Die Wahl von Öl als Medium und einer Leinwand mit
Hasenleim als Malgrund betont nicht nur die künstlerische
Tradition, sondern verleiht dem Werk auch eine makabre
Symbolik, die den Themenkreis des Hasen schließt.
2020
Das Werk „KUBARK“ entstand während einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema „weiße Folter“
bzw. psychologische Folter. Es wurde nicht durch Inspiration geschaffen,
sondern vielmehr unter dem Eindruck dieser belastenden Thematik entwickelt.
Der Titel „KUBARK“ verweist auf ein CIA-Handbuch, das als Leitfaden für Verhörführer konzipiert
wurde und detaillierte Anweisungen zur Anwendung psychologischer Foltermethoden enthält – ein
direkter Hinweis auf die Tiefe und Schwere des Themas.
Das Bild wurde in meiner Wohnung gemalt, wo es auf einer Staffelei beinahe bis zur Zimmerdecke reichte.
Ursprünglich zeigte die Leinwand weniger pastose, figürliche Kompositionen,
die im Laufe des Malprozesses von einer zunehmend expressiven und gestischen Malweise verdrängt wurden.
Diese Entwicklung spiegelte die emotionale Intensität und Dynamik wider, die das Werk prägt.
Ein entscheidender Moment war die unerwartete „Intervention“ einer Fliege.
Sie schwirrte durch den Raum und näherte sich des Öfteren gefährlich dem Bild,
während ich mich mit viel Geduld dem Modellieren des Gesichts der Figur widmete.
Just in dem Moment, als das Gesicht und somit das Bild fertig gemalt waren,
flog die Fliege direkt ins Auge der gemalten Figur und hinterließ eine verunstaltende Spur.
Zu meinem Bedauern war die Fliege nicht mehr zu retten. Ihr Ableben und das verunstaltete
Auge mündeten in Frustration und einem Wutanfall, der zu einer radikalen Überarbeitung des
Gesichts in seine jetzige Form führte.
Dieses Ereignis, ebenso zufällig wie bedeutungsvoll, fügt dem Werk eine weitere Ebene hinzu.
Es unterstreicht die Unvorhersehbarkeit und das rohe, emotionale Engagement,
das in die Entstehung des Bildes eingeflossen ist. Die Textur der Malerei und die
expressiven Pinselstriche reflektieren nicht nur den inneren Konflikt,
sondern auch die zerstörerische Kraft psychologischer Einflüsse, die das zentrale Thema
des Werkes darstellt.
Das Ergebnis ist ein Werk, das sowohl durch seine Entstehungsgeschichte als auch
durch seine visuelle Präsenz, einen authentischer Ausdruck emotionaler und
konzeptueller Auseinandersetzung darstellt.